Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt wie balde
sie fromm und lichterheilig wird;
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit. 

Rainer Maria Rilke

Winternacht

Verschneit liegt rings die ganze Welt
ich hab' nichts,  was mich freuet,
verlassen steht der Baum im Feld,
hat längst sein Laub verstreuet.

Der Wind nur geht bei stiller Nacht
und rüttelt an dem Baume,
da rührt er seine Wipfel sacht
und redet wie im Traume.

Er träumt von künft'ger Frühlingszeit,
von Grün und Quellenrauschen,
wo er im neuen Blütenkleid  
zu Gottes Lob will rauschen

Joseph von Eichendorff

Ich danke Gott

Ich danke Gott und freue mich
wie's Kind zur Weihnachtsgabe
dass ich hier bin! Und dass ich dich
schön menschlich Antlitz habe.

Dass ich die Sonne, Berg und Meer,
und Laub und Gras kann sehen
und abends unterm Sternenheer
und lieben Monde gehen.

Gott gebe mir nur jeden Tag.
so viel ich darf zum Leben,
Er gibt's dem Sperling auf dem Dach;
wie sollt' er's mir nicht geben!

Matthias Claudius