Gemeindereise nach Israel und Palästina

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben.

Wenn gar 28 Menschen desgleichen tun, kann sich Erleben so sehr verdichten, dass die Möglichkeiten der Sprache und damit der Beschreibung des Erlebten nicht mehr ausreichen. Diese durchaus schöne Erfahrung durften die Teilnehmer unserer Gemeindereise nach Israel und Palästina im Juni 2011 machen. Unter dem Motto „Zwischen Altertum und Moderne, Spurensuche im Land der biblischen Verheißung“ haben wir 12 Tage lang Israel und die von Israel besetzten palästinensischen Gebiete des Westjordanlands besucht. Nach problemloser Anreise von Stuttgart via Zürich nach Tel Aviv war das Ziel und zugleich der Aufenthaltsort für die ersten 8 Tage „die hochgebaute Stadt“ Jerusalem. Inmitten der prächtigen Altstadtmauern im christlichen Viertel lag unser Hotel, das uns mit seiner geschmackvollen Einrichtung, seiner noch „geschmack-volleren“ vielseitigen Küche und seiner hervorragenden Lage aufs beste beherbergt hat. Von dieser zentralen Lage aus ließen sich die historischen und die als historisch vermuteten Stätten des Judentums, der Christenheit und des Islam vortrefflich erkunden. Mit wenigen Schritten waren wir im Gassengewirr verschwunden und eingetaucht in ein unvergleichliches orientalisches Flair aus Menschen, Musik, Gerüchen und Waren. Ob nun entlang der Via Dolorosa oder innerhalb der Grabes- bzw. Auferstehungskirche, ob auf dem Ölberg mit Garten Gethsemane oder an der Klagemauer, ob auf dem Tempelberg mit Felsendom und Al Aqsa-Moschee oder in den Gassen und auf den Plätzen im Jüdischen Viertel – auf Schritt und Tritt wurden wir umweht von einem Hauch von Geschichte, von sonderbarer Heiligkeit, von jahrhundertealten religiösen Traditionen und ihren sicht-und hörbaren Ausprägungen in Ritus und Liturgie, und einer Ahnung von Unvergänglichkeit in einer gerade auch hier sehr vergänglichen Welt. Wie in einem Mikrokosmos scheint in dieser Altstadt Jerusalems die Zeit langsamer zu vergehen, uns jedenfalls hat sie sich in all ihrer Vielfalt und Großartigkeit, aber auch in all ihrer politischen und menschlichen Zerrissenheit ihrer Bewohner zu erkennen gegeben. Zu jeder Reise ins Heilige Land, und sei sie noch so kurz, gehören Orte wie Massada und Qumran am Toten Meer und die Palmenstadt Jericho. Der Besuch dieser Stätten führt an die tiefstgelegenen Orte der Erde und konfrontiert alle Reisenden mit großer, aber trockener Hitze und einem ganz besonderen Wüstenpanorama mit Steilabhängen ins Jordantal und trockenen Flusstälern. Unglaublich, was Menschen zu allen Zeiten in dieser lebensfeindlichen Einöde an zivilisatorischen Spuren hinterlassen haben. Bemerkenswert auch, dass gerade diese Landschaften Ursprung und Heimat aller 3 großen monotheistischen Religionen sind. Der Besuch Bethlehems hat uns die hässlichen Seiten des Israelisch-Palästinensischen Konflikts deutlich vor Augen geführt. Um in die Stadt zu gelangen, die unter Palästinensischer Autonomie steht, muss man an bestimmten Grenzübergängen eine ca. 8 m hohe Beton-Trennmauer passieren, die sich nach ihrer Fertigstellung um das ganze Stadtgebiet herumzieht und dieses völlig einschließt. Für die dort lebenden Palästinenser bedeutet dies nahezu völlige Unfreiheit des Reisens unter Willkür der Besatzungsmacht Israel. Für die Israelis ist die Trennmauer, die das Westjordanland vom Staat Israel insgesamt abschottet, nach eigener Ansicht ein Sicherheitsgewinn gegenüber Terroranschlägen. Anhand von Abendvorträgen durften wir Anteil nehmen am Alltag von Menschen, die in Jerusalem leben und arbeiten. Zwei christliche Palästinenser, ein Rabbi und ein kath. Priester berichteten aus je eigener Perspektive vom oft sehr schwierigen Leben und Überleben in einer umstrittenen Region, von den Möglichkeiten der Glaubensausübung und auch den Chancen der Wissens-vermittlung und der Seelsorge, die eine Präsenz als Kirche im Heiligen Land ermöglicht. Nach vielem, sehr dichtem Erleben am Standort Jerusalem brachen wir auf, um auf der Fahrt durch den nördlichen Teil des Westjordanlandes allmählich den See Genezareth und das Kibbuz-Hotel zu erreichen, das uns für den letzten Teil der Reise mit all seinen Annehmlichkeiten eine wahre Wohltat war. Auch von hier aus besuchten wir in Tagesetappen die Stätten der biblischen Heils-geschichte am See, sowie ganz im Norden des Landes einen Quellfluss des Jordan. Entlang der Golanhöhen wurde uns der zerbrechliche Frieden zwischen Syrien und Israel bewusst, in der alten Stadt Safed tauchten wir ein in die Welt der jüdischen Mystik. Nach 12 Tagen waren unsere Köpfe übervoll von Eindrücken, Bildern, Geschichten und Erfahrungen. So manche vorgefasste Meinung hielt der Realität nicht mehr stand. Als Reisegruppe sind wir mit dieser Unternehmung ein Wagnis eingegangen und miteinander zusammengewachsen. Was aus dem fernen Deutschland für den unbedarften Beobachter hinsichtlich eines Friedens im Heiligen Land so einfach erscheint, haben wir vor Ort als ziemlich verwirrend und kompliziert erlebt. Wir sind deshalb dankbar für jede persönliche Begegnung mit den Menschen, die dort leben und den Austausch, der dadurch möglich wurde.