Psalm 139

Ein großes Staunen geht durch diesen Psalm: das Staunen über die unüberbietbare Nähe Gottes, über das unfassbare Geheimnis jener Wirklichkeit, die den Namen .Jahwe" trägt, und von der der Mensch rings umschlossen ist. Nichts ist uns so nahe wie Gott.Ja: Gott ist uns näher als wir uns selbst sind. Je mehr der Psalmbeter über dieses Geheimnis nachsinnt, desto unbegreiflicher erscheinen ihm Gottes Wesen und Walten: 

Ein Lied des Königs David. 

Gott, du durchschaust mich. 
Du weißt alles von mir. 
Du weißt sogar, ob ich sitze oder stehe. 
Du durchschaust meine Gedanken, 
in all deiner Größe. 

Ganz gleich, ob ich arbeite oder ausruhe:
Du bist mir nah 
und kennst jeden meiner Schritte.
Bevor meine Zunge ein Wort ausspricht, 
weißt du es schon. 
Du umgibst mich von allen Seiten 
und beschützt mich mit deiner Hand.
Dass du mich so gut kennst, 
kann ich überhaupt nicht fassen.
Das übersteigt meinen Verstand. 

Ich wüsste gar nicht, wohin ich gehen sollte, 
wenn ich dir entkommen wollte.
Wohin sollte ich denn fliehen, 
damit du mich nicht mehr siehst? 
Wenn ich in den Himmel hinaufsteige­
dann bist du da. 
Und wenn ich in die Unterwelt hinabsteige­
dann bist du ebenfalls da. 
Fliege ich bis zum Morgenrot 
oder ans Ende des Meeres, 
wo die Sonne untergeht, 
dann wird mich auch dort 
deine Hand führen und halten. 
Wenn ich sagen würde: 
"Ich möchte mich im Dunkeln verstecken. 
Es soll überall Nacht sein", 
dann wäre die Finsternis für dich nicht finster, 
und die Nacht wäre hell wie der Tag. 

Du hast mein Innerstes geprägt 
und mich im Schoß meiner Mutter geformt. 
Ich danke dir, dass du mich 
so wunderbar gemacht hast. 
Alles, was von dir kommt, ist herrlich, 
das weiß ich doch. 
Schon als ich tief im Schoß der Erde
Gestalt angenommen habe, 
wusstest du, dass es mich gibt.
Deine Augen haben gesehen, 
wie ich entstand- 
und noch bevor mein erster Tag begann, 
hattest du mein ganzes Leben 
in deinem Buch vorgezeichnet. 

Aber für mich ist es oft so schwer,
deine Gedanken zu begreifen, Gott. 
Es sind so viele, mehr als alle Sandkörner. 
Ich käme beim Zählen nie ans Ende. 

Gott, kannst du nicht all die beseitigen, 
die dich missachten? 
Halte mir die Übeltäter vom Leib. 
Sie lästern über dich 
und tun so, als sprächen sie 
in deinem Namen. 
Ich hasse alle, die dich hassen, 
und verabscheue alle, 
die gegen dich rebellieren. 
Es sind auch meine Feinde,
die ich zutiefst verachte. 

Sieh mich an, Gott, 
schau in mein Herz,
prüfe mich und meine Gedanken. 
Und wenn ich einen falschen Weg gehe, 
dann führe mich zurück auf den Weg, 
der zu dir führt. 

Nach einer Übersetzung von Klaus Douglass und Fabian Vogt
aus dem Buch "Expedition zum ICH"