29. Mai 2011, 10 Uhr Michaelskirche

 
Benz, Jonathan - Höhenwg 18
Eßinger, Simon - Meisenweg 1
Farhat, Nizar- Schillerstraße 13
Habermann, Benjamin - Esslinger Straße 35
Jaser, Michael - Kichheim/Teck
Jekel, Oliver - Esslinger Staße 77
Opferkuch, Lukas - Brückenstraße 13
Passmann, Tim - Hofgasse 24
Schübler, Jonas - Hölderlinstraße 9
Zappel, Valentin - Neckastraße 33
 
Langeneck, Maren - Austraße 93
Maier, Melanie - Kanalstraße 4
Pohl, Vanessa- Austraße 10


Neues Leben? - Neu leben!

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Festgemeinde!
 
„Wollt ihrs besser haben oder wollt ihrs besser machen?“  - das war die entscheidende Frage von eurem Anspiel. Und da ist schon so eine Unsicherheit. Bestimmt ist bei Euch manchmal das Gefühl: anders wär’s wohl besser. Vieles ist einfach nicht so, wie ich mir das wünsche: in der Schule nicht, mit den Lehrer/innen aber auch den Klassenkameraden, mit den Eltern nicht und überhaupt.
 
Der Wunsch ist wohl da. Bevor wir uns heute am Tag eurer Konfirmation überlegen können, wie er in Erfüllung gehen könnte, eine kleine Begebenheit, wir müssen nämlich noch einen wichtigen Schritt zurück gehen.
 
Ein Pfarrer ist mit seinen Konfirmanden in der Kirche um sie zu „erkunden“ - haben wir vor etwa einem Jahr auch gemacht, vielleicht erinnert ihr euch noch, es ist ja auch eure Kirche. Nun sollen sie auf ihrem Arbeitsblatt eintragen, wir lang die Kirche ist. Manche schreiben 20 Meter, manche 30 Meter, manche schreiben noch „ungefähr“ dazu. Nachdem sich alle gemeldet haben, antwortet der Pfarrer: „kein einziger hat die richtige Antwort“ - „Und wie lautet die?“ - „Die richtige Antwort lautet: „ich weiß es nicht.“
 
Wenn wir fragen, wie wir gut oder noch besser leben wollen, dann sollten wir zuerst zugeben: ich weiß es nicht. Ich brauche Hilfe. Ich muss es mir von jemandem sagen lassen, der sich da auskennt. Einem Lebenskünstler. Denn Leben ist die größte Kunst. Und unsere Biographie ist ein gigantisches Kunstwerk, das seinen Höhepunkt in dem Moment erreicht, wenn wir sterben.
 
Wie könnt ihr zu Lebenskünstlern werden?
 
Sicher nicht, wenn ihr nur ein besseres Leben haben wollt. Das ist so, wie wenn sich Leute Kunstwerke kaufen und in die Wohnung hängen und dann stolz sind auf ihre tolle Wohnung und die wertvollen Gemälde oder Kunstwerke. Das ist langweilig.
Um ein Lebenskünstler zu werden, muss man es selber machen - und dabei kann man sich eben an Vorbildern orientieren. So haben es alle großen Meister gemacht. Sie sind in die Lehre gegangen, in eine Schule. Nicht Hauptschule, Realschule oder Gymnasium, sondern Lebensschule. Ihr könnt freilich auf den Schulen, in die ihr jetzt geht auch großartige Lehrer und Lehrerinnen finden - wenn ihr wollt.
Als wir aber darüber geredet haben, wen ihr als Vorbilder habt, da waren sie, die Eltern und die Großeltern meist an erster Stelle. Auch mal ein Onkel oder eine Tante. An ihnen orientieren sich ihre Kinder - viel mehr, als sie vielleicht denken.
 
Das wird nun langsam enden. Aber wo sind dann die Menschen, die durch ihr ganzes Leben „echt“ sind, die nicht perfekt sind aber die den Willen verkörpern, es gut zu machen. Wo sind die Männer und Frauen, die für eine bessere Welt kämpfen und sich nicht unterkriegen lassen? vielleicht sind es nicht mehr die großen Menschen, die es vor 30, 40 Jahren noch gab - solche jedenfalls seh ich heute leider nicht mehr.
 
Und deshalb jetzt eben noch einmal die Frage: wollt ihr es bessre machen? Wollt ihr Lebenskünstler sein oder nur anklicken „gefällt mir“?. Ihr könnt euch entscheiden, ob euer Leben langweilig und unsozial wird oder interessant und intensiv.
Wir haben vorhin im Tauflied gesungen: „ich möcht´ dass eine mir geht, der´s Leben kennt, der mich versteht“ - und dann: „sie nennen ihn den Herren Christ“. Für mich ist Jesus von Nazareth der Lebenskünstler schlechthin. Ich hab viele Jahre gesucht. Ich wollte immer einen Menschen, zu dem ich absolut aufschauen konnte, dem ich jedes Wort glauben konnte. Ich hab mich durch Psychologen und Philosophen durchgelesen und durchgekämpft, Schriftsteller und Politiker kennen gelernt. Über kurz oder lang war ich immer enttäuscht. Wenn ich mir aber anschaue und lese, wie Jesus es gemacht hat, dann merke ich: der hat nicht nur davon geredet, wie man leben kann, der hat anders gelebt, jeden Tag. Der hat getan, wovon er erzählt hat. Deshalb haben einige - nicht viele! - damals erkannt, begriffen: das ist nicht nur ein Mensch, das ist Gottes Sohn.
 
Jesus war aber kein Macher. Er hat nicht etwas getan, um gut dazustehn. Es gab eine ganz andere Motivation in ihm.
Ganz am Ende des Anspiels, da sagte Jesus: geb das her, woran du am meisten hängst. Das ist das Nadelöhr. Das ist der Engpass, der kritische Punkt. Daran scheitern die meisten Menschen, auch viele von denen, die sich Christen nennen und doch keine sind. Weil sie das nicht wahr haben wollen: dass man kein Christ sein kann, wenn man nicht das loslässt, was einem am meisten bindet.
 
Die Jugendlichen haben dann überlegt: Handy, MP-3-Player, Smartphone oder wie diese Dinger alle heißen. Die meisten jungen Menschen sind ja süchtig nach diesen Geräten. Das ist aber nur das äußere Problem, an dem schon ganz viele scheitern, weil sie nicht mehr die Kraft aufbringen, auf die elektronische Nabelschnur zu verzichten und also nicht erwachsen werden wollen.
 
Das eigentliche, was Junge und Alte bindet ist aber die Angst. Klingt vielleicht komisch und ein paar von euch Jungs würden vielleicht sagen: ne, ich hab keine Angst.
Ich meine jetzt nicht die vor Hunden, Spinnen oder Klassenarbeiten.
Sie nennen ihn den Herrn Christ, der durch den Tod gegangen ist“ haben wir gesungen. Davor haben Menschen Angst. Besonders die, die so stark tun, die scheinbar alles können, die schlauen, die coolen. Warum ist das so cool, cool zu sein? Weil man dahinter seine Angst so gut verstecken kann. Coolsein ist die Seelensonnenbrille. Erwachsene werden ironisch, zynisch, oder oberschlau.
 
Und sie haben Angst, durch das Nadelöhr zu gehen. Mit ihrem Angstpaket passen sie da auch nicht durch. Wer durch ist, hat keine Angst mehr, nicht vor Tod und Teufel, nicht vor dem Leben und nicht vor dem Zeugnis.
 
Deshalb möchte ich euch an diesem Tag dieses eine von Herzen wünschen: dass ihr es schafft, diesen Weg zu gehen. Durch das Nadelöhr durch. Dass ihr euch nicht an den falschen Menschen orientiert, dass ihr nicht auf das „gefällt-mir-Niveau“ herabsinkt, sondern euch an dem einen orientiert, der euch wirklich im Leben helfen kann, weil er es eben besser kennt als alle anderen: an Jesus Christus.
 
Konfirmation heißt festmachen. Lasst euch nichts vormachen. Werdet Lebenskünstler. Habt keine Angst. Es ist einer da, der euch hilft.
 
Amen
 

Internetportal der Evangelischen Landeskirche in Württemberg
Internetauftritt des Evangelischen Kirchenbezirks Nürtingen

Kalenderblatt


Service


Landeskirche